„Du kenzt die Basics" – oder: Wenn das Verb sich selbst nicht kennt

5/12/20262 min read

Heute stolperte ich über einen Video-Screenshot, der mich sofort aufhorchen ließ. Dort stand, schwarz auf weiß:

„Du kenzt die Basics…"

Ich habe kurz innegehalten. Dann nochmal hingeschaut. Dann ein drittes Mal – weil ich sichergehen wollte, dass meine Augen mich nicht täuschen. Aber nein: Da steht tatsächlich kenzt. Mit Z.

Willkommen in der wunderbaren Welt der deutschen Konjugation, wo manchmal selbst die einfachsten Verben auf der Strecke bleiben.

Was ist eigentlich passiert?

Die richtige Form lautet: „Du kennst die Basics." Zwei N, ein S, kein Z. Simpel. Und trotzdem ist hier etwas schiefgelaufen – aber wie?

Die Theorie des müden Fingers

Meine Lieblingstheorie: Der Autor hat beim Tippen kurz den Faden verloren. Das nn in kennst ist für schnelle Finger manchmal eine kleine Herausforderung – man tippt ken- und dann greift das Gehirn nach einem Konsonanten, der irgendwie „scharf" klingt. Das z liegt auf der Tastatur nicht weit vom s entfernt, und zt fühlt sich für geübte Tipp-Autopiloten fast so an wie st. Kurz nicht aufgepasst – und schon ist aus kennst ein kenzt geworden.

Eine andere Möglichkeit: Der Autor hat das zweite n einfach vergessen (kenst) und die Autokorrektur hat daraus ihr Bestes gemacht. Und das Beste der Autokorrektur ist bekanntlich oft das Schlechteste für den Text.

Woher kommt „kennen" eigentlich?

Jetzt aber zum eigentlich spannenden Teil – denn kennen ist ein Wort mit echter Geschichte.

Kennen stammt vom althochdeutschen „chennen", was so viel bedeutete wie „bekannt machen" oder „erkennen lassen". Es ist eng verwandt mit dem Verb „können" – und das ist kein Zufall. Beide gehen auf die germanische Wurzel kann- zurück, die wiederum mit dem indogermanischen Stamm ǵneh₃- zusammenhängt. Dieser Stamm bedeutete ganz grundlegend: „erkennen, wissen".

Damit ist kennen sozusagen ein Geschwisterkind von können – was durchaus Sinn ergibt: Wer etwas kennt, der kann damit auch umgehen.

Interessant ist auch der Blick ins Englische: Das englische „to know" und das deutsche „kennen" sind entfernte Verwandte – beide aus derselben indogermanischen Wurzel. Und im Englischen unterscheidet man bekanntlich nicht zwischen kennen und wissen – beides ist einfach to know. Im Deutschen hingegen ist die Unterscheidung wichtig:

  • Kennen = mit jemandem oder etwas vertraut sein (Ich kenne diesen Mann.)

  • Wissen = eine Tatsache im Kopf haben (Ich weiß, wie er heißt.)

Das Fazit

Der Autor des Videos wollte uns sagen, dass wir die Grundlagen kennen – also mit ihnen vertraut sind, sie aber vielleicht noch nicht wirklich anwenden. Eine durchaus sinnvolle Aussage. Nur die Konjugation des Verbs hat die Basics leider selbst nicht so ganz drauf.

Und das ist vielleicht die schönste Ironie dieses Screenshots: Ein Satz über mangelndes Verständnis – der selbst ein kleines Verständnisproblem mit der deutschen Grammatik hat.

Man könnte sagen: Er kennt die Basics. Aber er kenzt sie nicht.

Aber halt – der Screenshot hat noch einen zweiten Schatz zu bieten. Direkt darunter steht nämlich: „aber keinen klaren Process".

Process. Mit C. Auf Englisch völlig korrekt – auf Deutsch jedoch heißt es Prozess. Mit Z.

Und jetzt kommt die eigentliche Pointe: In demselben Text, in dem ein z bei kenzt absolut nichts verloren hat, fehlt es bei Process genau dort, wo es hingehören würde. Das z wurde also nicht etwa vergessen – es wurde nur… falsch platziert.

Man könnte fast sagen: Der Autor kennt das Z. Er weiß nur nicht, wo er es hinsetzen soll.